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Dressed to impress: Gutes Charakterdesign in Japano-RPGs

Fangen wir doch mit einer Frage an: Wie viele Leute wissen, wie Mario aussieht? Ziemlich, ziemlich viele! Klar, der blaue Overall, die rote Mütze, der Schnurrbart – das kennen wir. Gut, dann weiter zur nächsten Frage: Wie viele Leute wissen, wie sich Mario spielt? Videospiele sind wie der Name schon sagt Spiele. Logischerweise drehen sich da die Konversationen der Spieler oft eher um das Gameplay und vielleicht die Präsentation, oder die Framerates.

Es geht um Spielerfreiheit und darum, sich selbst in einer virtuellen Sandbox zu verwirklichen. Da ist es doch interessant, dass es in der Populär-Kultur viel eher die Charaktere sind, die ein Spiel oder eine Reihe repräsentieren. Um noch spezifischer zu werden, ist es das Aussehen, das hängenbleibt. Im Fall von japanischen Spielen, bedeutet das vor allem, dass wir Design oft mit JRPG-Fashion assoziieren. Die verwirrenden Ansammlungen von Accessoires haben sich über die vergangenen Jahre einen gewissen Ruf eingefangen, bei dem gerne mal gescherzt wird, wofür bitte die ganzen Gürtel, Reisverschlüsse und Hosenträger gut sein sollen.


Das hat immerhin den Effekt, dass die Designs in Erinnerung bleiben. Das kann aber doch nicht alles sein, oder? Wir haben uns vier japanische Titel aus unterschiedlichen Jahrzehnten und die verantwortlichen Charakterdesigner etwas genauer angeschaut und uns Gedanken dazu gemacht, wie unterschiedliche Designs, unterschiedliche Aspekte eines Spiels ergänzen können – und zwar auch ohne ein übermäßig Ausseälliges.

Kleider sind nicht nur Aussehen, sie können auch das Gameplay erweitern, indem sie beispielsweise die Eigenschaften der spielbaren Figur verbessern. Das gilt auch in NEO: The World Ends With You. Hier können mit Klamotten und genug Style-Punkten zusätzlich dazu noch Spezialfähigkeiten freigeschaltet werden. Das ist aber nicht der einzige Effekt, den Shopping hat und auch nicht der, der uns interessiert.





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Eine Auswahl an populären japanischen Basisstücken, die sich in Rindo Kanades Outfit wiederfinden. Das charakterdefinierende Accessoire, die schwarze Face-Mask, war übrigens schon vor der Pandemie Teil des Designs. Solche Masken waren nämlich bereits vor 2020 ein Trend in Ostasien.

Quelle: PC Games




Shibuya ist ein Hub für Streetkultur und -fashion und das Modebewusstsein der Charaktere trägt dazu bei, die dortige Atmosphäre zu repräsentieren. Protagonist Rindo Kanade kann zwar im Gegensatz zu seinem Vorgänger Neku mit der Wahl einer bestimmten Modemarke keine neuen Trends in Gang setzen, aber in seinem Stil de el finden sich dennoch viele japanische Fashion Staples und Elemente von Street-Style wieder. Das beginnt schon mit der Silhouette.

Japanische Streetfashion zieht viel Inspiration von außen, gibt dem westlichen Stil, aber durch traditionell japanische Elemente einen eigenen Touch. Oft geschieht dies durch eine fließendere Silhouette, sprich beispielsweise weitere Hosen, oder oversized T-Shirts. Das erkennen wir unter anderem in Mihara Yasuhiros Designs, bei denen sich auch Ähnlichkeiten zu Rindos Outfit finden.

Während sich in Rindos Jeans und Mantel verschiedene Aspekte von Distressed-Style und Asymmetrie ausmachen lassen, ist es ein relativ minimalistisches Design mit kleinen Akzenten wie seinen weißen Ohrsteckern. Ein Stil also, den man so auch im Alltag wiederfinden könnte. Kreiert wurde Rindo Kanade allerdings von Tetsuya Nomura, der eigentlich eher dafür bekannt ist, Outfits zu designen, die wohl niemand einfach so auf der Straße tragen würde.

Von Fantasy Fashion zu Final Fantasy Fashion

Wenn wir heute über die Frage “Wie viele Gürtel sind zu viele Gürtel?” philosophieren, haben wir das nicht in kleinen Teilen Nomura zu verdanken. Ursprünglich ein Debugger für Square Enix und jetzt bekannt als prägender Charakterdesigner für Final Fantasy und Erschaffer von dem komplexen Story-Wirrwarr Kingdom Hearts, ist Tetsuya Nomura einer der bedeutendsten kreativen Köpfe in der japanischen Videospielbranche.

Neben seinem Dienst an Gaming als Ganzem, ist er inzwischen aber auch renommiert für seine unkonventionellen und für viele auch übertriebenen Charakterdesigns including YuGiOh-Haaren, Waffen, über die er später selbst sagt, dass sie eine komische Idee waren – siehe Gunblade – und seine sehr detailreichen, mit Accessoires behangenen Klamotten.

Und es stimmt, wenn wir uns so den Cast von Final Fantasy 10 anschauen, fall uns direkt mehrere Designentscheidungen als etwas sehr seltsam auf. Aber egal, wie man zu den Charakterdesigns steht, wir können nicht verneinen, dass sie einem im Gedächtnis bleiben. Früheste JRPGs wie Dragon Quest und Fire Emblem konzentrierten sich noch wesentlich mehr auf traditionelle Fantasy-Konzepte und generische, mittelalterliche Kostüme.

Eine erste Änderung brachte Yoshitaka Amano: Die Designs von Nomuras Vorgänger lassen sich in den ersten Final-Fantasy-Teilen aufgrund der grafischen Limitationen nur schwer erkennen, aber seine Artworks sind beeindruckend und bis heute noch geliebt für ihren fantastischeren Ton.

Als Künstler ließ sich Amano von europäischen Kunstbewegungen wie der Art Noveau, aber auch von japanischem Ukiyo-e, einer Kunstform, die vor allem mit Holzschnitzerei umgesetzt wird, inspirieren. Mit elegant Roben, kunstvollen Frisuren und aufwendigen Mustern try erste Zeichen von Mode in Final Fantasy auf.

Allerdings waren diese von traditioneller Natur, inspiriert durch Geishas und Kabuki-Schauspieler, die Stars und Models einer vergangenen Ära, die in den Bildern der Ukiyo-e-Künstler verewigt wurden. Nomura wurde durch den Detailreichtum und die Emotionalität von Amanos Kunst inspiriert, unterschied sich aber auch in seinen Ideen und Anläufen von seinem Vorgänger of him.

Neben seinem persönlichen Geschmack interessierte er sich für die dramatische Kameraführung in Musik-Videos sowie Highfashion-Magazine. Auch beteiligte er sich neben Character Artwork noch an weiteren konzeptionellen Aspekten der Spiele. Eine besondere Aufmerksamkeit ließ er den 3D-Umsetzungen und Bewegungen zukommen.

Denn neben dem Wechsel von Amano zu Nomura durchlief Final Fantasy zu dieser Zeit noch einen viel größeren Wandel – einen Wandel von Nintendo zu Playstation und von 2D-Pixelgrafik zu dreidimensionalen Polygon-Modellen.

Ihr ahnt es vermutlich schon, aber Nomuras erster Auftritt als designierter Charakterdesigner war nicht bei irgendeinem Fantasy-Titel.
Er war ein Teil des Teams, das das Spiel erschuf, das Square Enix weltweit berühmt machen sollte und heute noch für viele für das Genre JRPG als ein Ganzes steht: Final Fantasy 7. Aber nicht nur Square Enix wurde durch FF7 bekannt, auch Nomura feierte seinen ersten großen Erfolg. Denn er gab den Charakteren ein Gesicht, an die die meisten denken, wenn sie den Namen Final Fantasy hören.

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